Donnerstag, 11. Januar 2007

Maria von Jesus von Agreda, Spanien

Die Mystische Stadt GottesWer heute eine katholische Buchhandlung betritt, um für sich oder andere ein Buch, ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen, muß damit rechnen, irgendetwas in die Hand gespielt zu bekommen das äußerem Anschein nach zwar katholische Literatur zu sein scheint, sich bei genauerer Untersuchung aber als jenes geist- und glaubenslose Gewäsch entpuppt, mit dem der katholische Buchmarkt heute von den fast alle ins modernistische Fahrwasser geratenen Verlagen überschwemmt wird. Es gehört schon eine gute Portion Literatur- und Autorenkenntnis dazu, will man die wenige und meistens nicht vorhandene noch einwandfreie Literatur von dem oft gut katholisch aufgemachten Schund unterscheiden, durch den die Häretiker unserer Tage, die Berufs-Reformer, Berufs-Anpasser, Berufs-Umdenker aus Priester- und Laienstand, Glaubensverrat und Glaubensabfall unters Volk zu tragen suchen.
Umso größerer Dank gebührt dem Verlag dieser Zeitschrift, dem Immaculata-Verlag, der es unternommen hat, vor einiger Zeit in acht handlichen Tschenbüchern ein Werk herauszubringen, das nicht nur echt katholisch im besten Sinne des Wortes ist, sondern das darüber hinaus auch jedem unbesorgt in die Hand gegeben werden kann: DIE MYSTISCHE STADT GOTTES von der spanischen Äbtissin Maria von Agreda. Ein Werk, dessen Neuherausgabe umso verdienstlicher ist, als es in der katholischen Christenheit seit 300 Jahren in einer Unmenge von Ausgaben verbreitet und immer mit größtem Gewinn gelesen worden ist. Gerade in einer Zeit wie der unseren, die alles Übernatürliche und Wunderbare leugnet und hinwegdiskutiert, einer Zeit, die aus der Hochheiligen Gottesgebärerin nichts als ein "einfaches jüdisches Mädel, nicht anders als die anderen" zu machen sucht, einer Zeit schließlich, in der gute geistige Kost so rar geworden ist, kommt der Neuausgabe des berühmten Werkes besondere Bedeutung zu. Im folgenden wollen wir uns etwas mit diesem Werk und der Person der Verfasserin beschäftigen.

1. IHR LEBEN

Maria von Jesus von Agreda wurde am 16. April 1602 als Kind tieffrommer Eltern aus altem spanischen Adel in einem Städtchen Altcastiliens geboren. Das durch die echt religiöse Erziehung im Elternhaus auf die Ewigkeit hingelenkte Kinderherz wurde von Gott schon in der frühesten Jugend mit außergewöhnlichen Gnaden überhäuft. Treues Mitwirken mit den Einsprechungen Gottes, geduldiges Ertragen von Leiden und Widerwärtigkeiten aus Liebe zum gekreuzigten Heiland ließen das Kind Gnade finden in den Augen Gottes; und als ihre Eltern sich infolge höherer Erleuchtung entschlossen, selbst den Ordensstand zu erwählen, trat auch Maria, 17 Jahre alt, mit ihrer Mutter und jüngeren Schwester in den Orden der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis, einem Zweig der Clarissen, ein.
Im Kloster begann sie noch mehr als bisher ein engelgleiches Leben zu führen, ein Leben schwerster Buße, schwerem Leiden. Wer glaubt, daß dies einem siebzehnjährigen Mädchen leicht gefallen sei? Aber Gott bürdete ihr nicht mehr auf, als sie tragen konnte, ja, er suchte sie heim in häufigen Ekstasen und Visionen, hielt Zwiesprache mit ihr und ließ sie teilhaben an den tiefsten Geheimnissen des mystischen Lebens. Mit 25 Jahren wurde Maria gezwungen, ihre mit päpstlicher Dispens erfolgte Wahl zur Äbtissin anzunehmen, ein Amt, das sie von da ab fast 40 Jahre bis zu ihrem Tode behalten sollte.
Muß man noch sagen, daß eine solche Äbtissin für ihr Kloster, ja das ganze Land von Segen war? Gott selbst war es, der den Ruf dieser demütigen, schwachen und doch so starken Frau hinausdringen ließ aus dem behüteten Geviert der Clausur, und die Kunde von ihrer Begnadung war gleichsam nichts anderes als der Widerschein ihrer helllodernden Gottesliebe. Alt und Jung, Reich und Arm begannen nach Agreda zu ziehen, um dort ihr schweres seelisches Leid und die ganze Gemeinheit ihres Lebens einzutauschen gegen den Rat und das Gebet der Äbtissin, deren sühnendes und ganz für Gott gelebtes schweres Leben so sehr abstach von der Verweichlichung und dem Niedergang der damaligen Zeit.
Und selbst König Philipp IV. von Spanien wandte sich an Maria von Agreda um Rat. Muß man da nicht staunen? Denn es ging hier nicht um Rat, um Hilfe und Trost in privaten Angelegenheiten, vielmehr waren es Entscheidungen der höchsten Politik, die der König der Äbtissin zur Begutachtung vorlegen ließ. Und sie, die nie über die Grenzen der Provinz Kastilien hinausgekommen, sie, die die Welt längst hinter sich gelassen zu haben geglaubt hatte, sah sich nun verstrickt in die Regierung des Mundo Hispanico, jenes hochempfindlichen spanischen Weltreiches, dessen König sie an jedem Posttag um Stellungnahme und Entscheidung bat.
Ganz wunderbare Dinge werden über ihr Leben, ihre Tugenden und ihr Wirken berichtet. Und ist es nicht schon wunderbar genug, wenn wir sehen, daß sie Direktiven für die Regierung der spanischen Kolonie Neu-Mexiko gab und ein Programm für die Bekehrung der dortigen Wilden ausarbeitete? Und doch, ihre Hauptaufgabe war, das Buch "DIE MYSTISCHE STADT GOTTES" zu schreiben, in dem sie das Leben der Gottesmutter erzählt. Dieses Buch zu schreiben, erhielt sie im Gebete die erste Aufforderung. Doch lange sträubte sie sich und konnte ihre beständige Angst, getäuscht zu werden, nicht überwinden. Zwölf Jahre lang - welch ein Beispiel! - bereitete sie sich unter entsetzlichen Leiden und inneren Kämpfen auf diese Aufgabe vor und schien während der letzten 80 Tage ganz von Gott verlassen und der Gewalt Satans übergeben. Nach dieser dunklen Nacht der Seele wurde sie von Gott zur höchsten mystischen Stufe der Gottverlobung erhoben und von übernatürlicher Wissenschaft in solchem Grade erfüllt, daß berühmte Gelehrte der damaligen Zeit sich hierüber nicht genug wundern konnten, hatte Maria von Agreda doch keinerlei höhere Bildung genossen. Endlich schrieb sie nun auch das Buch DIE MYSTISCHE STADT nieder, wollte es indessen geheim halten, mußte aber auf Befehl König Philipps IV. diesem eine Abschrift zukommen lassen.
Als Maria von Agreda am 24. Mai 1665 starb, trauerte ganz Spanien um sie. Der Ruf von ihrer Heiligkeit und den Wundern an ihrem Grabe erscholl allenthalben, wo immer man spanisch sprach, ja in ganz Europa. Schon 1671 konnte darum ihr Seligsprechungprozeß beim Heiligen Stuhle anhängig gemacht werden, 1673 wurde seine Eröffnung von Papst Clemens X. seligen Angedenkens feierlich unterzeichnet. Daß der anfangs sehr eifrig betriebene Prozeß bis heute noch nicht abgeschlossen ist, hat wohl einzig seinen Grund in den Schwierigkeiten, welche beim Prüfen des erwähnten Buches sowie der sehr umfangreichen Korrespondenz sich einstellten. Die Verhandlungen kamen durch die Ereignisse im Zusammenhang mit der Französischen Revolution völlig zum Erliegen. Erst als 1867 in Mecheln eine auffallende Heilung auf Anrufung der gottseligen Maria von Agreda erfolgt war, entschloß sich der Heilige Stuhl auf Bitten der spanischen Königin Maria Christina und des spanischen Episkopats zur Wiederaufnahme des Prozesses.

2. DIE MYSTISCHE STADT GOTTES

Das berühmte Werk DIE MYSTISCHE STADT GOTTES der ehrw. Dienerin Gottes Maria von Agreda, das jetzt in neuer deutscher Auflage herausgebracht worden ist, wurde erst vier Jahre nach dem Tode der Verfasserin nach sorgfältiger Prüfung veröffentlicht. Schon vorher war das Buch auf Befehl König Philipps IV. von einer Kommission angesehener Theologen geprüft worden mit dem Resultat, daß keinerlei Irrtum gegen den Glauben darin enthalten sei und daß die Offenbarungen tatsächlich göttlichen Ursprunges sein müßten. Trotzdem wurde das Buch von der strengen spanischen Inquisition kassiert und nach einer Prüfung, die nicht wengier als 14 Jahre dauerte, wieder freigegeben.
Überaus zahlreich sind seither die Empfehlungen gewesen, die das Buch erhalten hat. Papst Benedikt XIV. äußerte sich in einem Schreiben vom 16. Januar 1748, daß durch nichts die Andacht zur Gottesmutter so gefördert werden könne wie durch dieses Buch. Bischöfe, Universitäten, Ordensgeneräle und zahllose einzelne Theologen haben sich seit 300 Jahren ín ähnlichem Sinne geäußert. Kardinal d'Aguirre schrieb zum Beispiel in seinem für den König von Frankreich bestimmten Gutachten über DIE MYSTISCHE STADT GOTTES am 17. Juli 1698: "Was ich im Laufe von 50 Jahren erlernt habe, ist beinahe nichts im Vergleich zu der tiefen Lehre, welche ich in diesem Buche gefunden habe, eine Lehre, welche vollkommen übereinstimmt mit der Heiligen Schrift, den Kirchenvätern und den Konzilien. Da man nicht bezweifeln kann, daß auch der gelehrteste sterbliche Mensch jener ehrwürdigen Mutter eine so hohe Lehre und so erhabene Mitteilungnen auf natürlichem Wege nicht hätte beibringen können, so muß man mit moralischer Gewißheit annehmen und glauben, daß diese große Dienerin Gottes unter der Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben hat."
Es würde zu weit führen, hier all die unzähligen Urteile und Lobeserhebungen wiederzugeben, die dem Buch im Laufe der Zeiten gespendet worden sind. Zitiert seien hier noch die Universität Löwen, in deren Gutachten es heißt: "Die Starken wie die Schwachen, die Gelehrten wie die Ungelehrten können aus diesem Werk reichliche Frucht ziehen. Denn was immer Erhabenes in der Theologie gelehrt wird, ist hier in solcher Faßlichkeit, auf so neue und klare Weise dargelegt, daß man gestehen muß: nichts als ein gesundes Urteil ist nötig, um durch das Lesen dieses Buches zum Verständnis unseres Glaubens zu gelangen." Und Michael d'Escartin, Bischof von Tarzona, dem Sprengel, in welchem Agreda liegt, sagte: "Wir müssen uns glücklich schätzen und der göttllichen Majestät unendlichen Dank sagen, weil sie sich gewürdigt hat, in unserer Zeit diesen verborgenen Schatz zu offenbaren, durch welchen die Verehrer der Jungfrau und die Seelen der Gläubigen den reichsten Segen erlangen sollen."
Zu den Bewunderern dieses Werkes gehören auch kein geringerer als Joseph Görres, der dem Buch einen staunenswerten Tiefsinn zuspricht, ebenso der berühmte Abt Prosper Guéranger von Solesmes, der dieses Buch gegen die Angriffe der Modernisten im vorigen Jahrhundert so glänzend verteidigt hat.

3. ZUM INHALT DES BUCHES

Der Inhalt des Buches stellt das Leben der Gottesmutter Maria dar, so wie es der ehrw. Maria von Agreda geoffenbart worden ist. Das, was wir nun da vom Leben Mariens lesen können, geht allerdings weit über das hinaus, was uns die Heilige Schrift und auch die Kirche zu glauben gebietet. Denn das betrifft ja fast nur die Stellung Mariens im Heilsplane Gottes, welche durch die drei Hauptdogmen von der göttlichen Mutterschaft, der Unbefleckten Empfängnis und der beständigen Jungfräulichkeit im Prinzip bestimmt wird. Es steht aber außer Zweifel, daß dieser einzig erhabenen Stellung einer in gleicher Weise einzigartige Gnadenfülle entspricht und eine Herrlichkeit des inneren Lebens, die alles Vorstellbare weit überschreitet. Nun schweigt freilich die Heilige Schrift von den wunderbaren Geheimnissen des Lebens Mariens fast gänzlich, desungeachtet steht aber fest, daß diese uns unbekannten Tatsachen in größerer Fülle stattgefunden haben müssen, als wir elenden Sünder auch nur ahnen können. Diese Lücke unserer Kenntnisse soll nun Gott durch diese Offenbarungen gegenüber der ehrw. Maria von Agreda zur Erbauung der Christen haben ausfüllen wollen. Wirklich wird von ihr das Leben der Gottesmutter in einer Weise geschildert, die ihrer erhabenen Stellung in jeder Weise entspricht und dazu noch mit einer solchen Fülle von theologischem Wissen und fortlaufender passender Anwendung der Heiligen Schrift, daß der gelehrteste Theologe hätte verzagen müssen, wenn er eine so schwierige Aufgabe mit allen Mitteln menschlicher Intelligenz in gleich befriedigender Weise hätte lösen wollen. Da nun, wie gesagt, feststeht, daß Maria von Agrda durchaus keine wissenschaftliche Bildung genossen hat und daß in dem Buche die schwierigsten theologischen Probleme und dunklen Stellen der Heiligen Schrift meisterhaft und mit einem Wissen erklärt sind, das sie sich auch im Umgang mit den Großen des Spanischen Reiches nicht hätte erwerben können, so kann man vernünftigerweise nicht umhin, eine höhere und außerordentliche Erleuchtung der Verfasserin anzunehmen.
Indessen dürfen - und das sei hier gesagt, um falschen Auffassungen vorzubeugen - auch im Falle, daß Gott solche Offenbarungen zum Nutzen weiterer Kreise bestimmt hat, diese durchaus nicht mit dem von Christus durch die Apostel der Kirche vermittelten Glaubensgut beigemischt oder gleichgesezt werden. Nur die Heilige Schrift und die Tradition sind Glaubensquellen, die für alle verbindlich sind und aus denen die Kirche die katholischen Glauenswahrheiten schöpft. Diese Beschränkung vorausgesetzt, befolgt die Kirche aber auch das Wort des Apostels: "Verachtet nicht die Weissagungen" (1. Thess. 5,20), aber es steht auch fest, daß nirgends mehr als bei solchen Visionen die Mahnung des Apostels Johannes am Platz ist: "Glaubet nicht jedem Geiste, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind" (1. Joh. 4,1)
Nun, der Geist, der aus Maria von Agreda's herrlichem Werk DIE MYSTISCHE STADT GOTTES spricht, ist, wie wir vorhin schon gesehen haben, bereits so oft und von solch berufenen Stellen geprüft worden, daß wir über seine Herkunft ganz und gar beruhigt sein können, selbst der Heilige Stuhl hat es ja zur Lektüre empfohlen. Jeder, der es gläubigen Herzens und liebender Gesinnung zur Gottesmutter liest, wird reichen geistigen Gewinn daraus ernten. "Das Wenigste aber", sagte Abt Guéranger von Solesmes, "was man zum Lobe dieses Werkes sagen kann, ist, daß es eines der imposantesten Denkmäler des menschlichen Geistes bleibt."

Karl-Heinz Jütting

Schriftenliste für die Bestellung dieses 8-bändigen Werkes als Ganzes oder einzelner Bände

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